Landkreis Leipzig Journal

Gedenkzeichen zur Erinnerung an die NS-Zwangsarbeit im Industriekomplex Böhlen-Espenhain enthüllt

Veranstaltung zur Enthüllung des Gedenkzeichens am 12.6. am Bahnhof Böhlen. © GERÄUSCHKULISSE und TELESKOP, Foto: Alexander Graeff.
Am 12. Juni 2026 hat eine Initiative aus GERÄUSCHKULISSE e.V. und TELESKOP – Studio for Aural Arts gemeinsam mit der Stiftung EVZ ein Gedenkzeichen eingeweiht, das an die Zwangsarbeiter:innen erinnert und lokale Geschichte sichtbar macht.
Im Oktober 1939 setzt die deutsche Industrie erstmals polnische Kriegsgefangene ein. Im Nationalsozialismus kommen sie am Bahnhof Böhlen an, wie auch tausende weitere verschleppte Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangene aus mehr als 13 Ländern. Viele Menschen arbeiten im nahegelegenen Braunkohlen- und Benzinwerk der Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) und der Braunkohlen-Benzin AG. Sie müssen Treibstoffe für Panzer, Flugzeuge und U-Boote produzieren.
Verschiedene Menschen müssen in Böhlen Zwangsarbeit leisten: dienstverpflichtete Deutsche, Justizgefangene, zivile ausländische Arbeitskräfte sowie Arbeitserziehungs- und KZ-Häftlinge. In den Lagern Pulgar und Zeschwitz werden sogar Bordelle eingerichtet, in denen Frauen zur Prostitution gezwungen werden. Zwischen 320 und 450 Menschen überleben die Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Kriegshandlungen nicht. Heute erinnert nur wenig an ihr Schicksal. Die Kriegsgräberstätte liegt etwa 4,5 Kilometer südwestlich des Bahnhofs am Eingang des heutigen Chemiewerks. Im Ortsteil Gaulis stehen noch vier Baracken eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers.
Am 26. August 2026 wird um 11 Uhr die audiovisuelle Ausstellung „WAS WAR, WAS IST? – Fragmente einer Absicht“ auf dem Platz des Friedens in Böhlen eröffnet.

MemoRails

Ankunft polnischer Kriegsgefangener im Oktober 1939 am Bahnhof Böhlen © Andreas Bock.
Das Gedenkzeichen wird im Rahmen des bundesweiten Programms „MemoRails – Halt! Hier wird an NS-Geschichte erinnert” enthüllt. MemoRails ist ein Drittmittelprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Stiftung EVZ. Es richtet sich an zivilgesellschaftliche Initiativen in Deutschland, die an die Verbrechen des NS-Regimes und ihre Folgen an Bahnhöfen in Deutschland erinnern.
Ziel ist es, Bahnhöfe als Orte der NS-Verfolgung sichtbar zu machen, Geschichten von Verfolgten, aber auch von Täterinnen und Täter zu recherchieren und mit verschiedenen Gedenk- und Veranstaltungsformaten, jeweils abgestimmt auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort, im Bahnhofsumfeld, an sie zu erinnern. Die lokale Bevölkerung soll in die Erinnerungsarbeit einbezogen werden. Als vielfrequentierte Orte des Transits sind Bahnhöfe geeignet, Menschen die Möglichkeit zu geben, der NS-Verbrechen zu gedenken und ein öffentliches Bewusstsein für die Geschichten „hinter“ den Bahnhöfen zu schaffen. Das Förderprogramm setzt deutliche Impulse zur Aufarbeitung des NS-Unrechts und zum Gedenken an die Opfer im Umfeld des 80. Jahrestags des Kriegsendes.

„WAS WAR, WAS IST? – Fragmente einer Absicht“ ist ein Projekt von GERÄUSCHKULISSE e.V. und TELESKOP in Kooperation mit DOKMitt e.V. und der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Das Projekt wird von der Stiftung EVZ und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert, sowie von Land in Sicht e.V.

PM, DOKMitt e.V.

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