
Noch während die drei Herren, die Chronik des Clubs preisgeben, erkennt man, dass sie Eigenschaften besitzen, die man heutzutage nicht Allerortens findet. Ehre, Anstand, Fairness und Kameradschaft sind oberstes Prinzip. „Wir haben immer darauf geachtet“ so Thomas Fischer, „dass der Deutsche 12er, ergo die 12 Kegelbrüder zusammenpassen“. Natürlich geben die Clubmitglieder zu, dass ihnen, wie in vielen anderen Vereinen auch der Nachwuchs fehlt. Interessierte Männer können sich melden. „Der Donnerstag-Abend ist uns heilig. Da geht es auf die Kegelbahn. Trotz unserer emanzipierten Ehefrauen, die unser Hobby mehr als nur tolerieren und uns durchaus auch beraten, sind wir ein Männerclub.“ Der älteste in Borna. Mittlerweile sind viele Kegelbrüder fast 40 Jahre gemeinsam im Verein. Darauf sind sie stolz. Und das zurecht! Mit Stolz und viel Feierfreude wurde am Samstag, den 28. März das Jubiläum gefeiert. Als Gäste waren auch ehemalige Club- und Ehrenmitglieder und der OBM, Herr Oliver Urban, zum 130. Gründungstag eingeladen. Jährlich werden aber nicht nur Jubiläen gefeiert, sondern auch Ausfahrten getätigt, die durchaus zur Bildung beitragen und Sommerfeste oder Weihnachtsfeste begangen.
Neben dem kleinen Streifzug durch die Geschichte des Clubs und der Stadt, wurden auch Fachbegriffe wie die Ratte erklärt. „Un coup ratè“ heißt schlicht und ergreifend danebengegangener Wurf. Weil der Sachse schon immer ein „Linguist“ war, wurde daraus die Ratte.
Werfen wir noch kurz einen Blick auf die Geschichte des Clubs, dessen Gänze sich durchaus lohnt, auf die Geschichtsseite unseres Journals zu bringen. Und 130 Jahre von 775 Jahren, die wir in diesem Jahr feiern, sind doch recht beachtlich:
Am 30.03. 1896 gründeten der Hotelier Schindler; Inhaber des Wettiner Hofes, der 1893 erbaut wurde, gemeinsam mit dem Bauunternehmer Schmölling den Kegelclub.
Ein weiterer sehr bekannter Bornaer, Café-Besitzer Robert Hausmann leitete über viele Jahre den Kegelclub bis 1945.
1930 trat der Bornaer Kegelclub dem Reichskegelbund bei.
Das Erkennungszeichen der Kegelbrüder war der Fes. Die Kopfbedeckung, aus dem Orient stammend und damals als schick befunden, bestand aus der Form eines Kegelstumpfes und rotem Filz. Die Quasten waren schwarz. Blau oder Gold. Der Name des Hutes ist nach der Stadt Fès in Marokko benannt.
Der Kegelclub „Deutscher Zwölfer“ ist eine Institution, die mit der Geschichte des Mittelstandes in Borna und des Zeitgeistes eng verbunden ist. Viele Male wurden schon die Kegelbahnen in den letzten 130 Jahren aus verschiedenen Gründen gewechselt. 27 Jahre kegeln die Männer schon bei Erhardt Lerch in der Gaststätte „Glück Auf“, welche hoffentlich noch viele Jahre seine Pforten öffnet.
Manuela Krause