Bornaer Stadtjournal

Man spürt plötzlich jede Faser seines Körpers

Vor nicht mal einer Stunde saßen Lisa und Denny noch bei ihren Familien zu Hause. Jetzt befinden sie sich im Löschfahrzeug auf dem Weg zu einem Gebäudebrand. Die Anspannung steigt. Beide sind seit November Atemschutzgeräteträger und stehen damit dem flammenden Inferno an vorderster Front gegenüber.
Das Einsatzfahrzeug hält am Wirtschaftshof. Dichter Rauch quillt aus einem Fenster. Sofort rüsten sich beide mit schwerem Atemschutz aus. Sie sind nicht allein. An ihrer Seite ist jeweils ein erfahrener Kamerad. Professionell unterstützen sich die vier Brandschützer, aufgeteilt auf zwei Trupps, beim Anlegen der Geräte. Parallel wird der Löschangriff aufgebaut. Inzwischen erfährt der Gruppenführer, dass sich noch zwei Personen im Gebäude befinden. Jetzt muss es schnell gehen. Ausgestattet mit Schlauch, Strahlrohr, Sicherungsleinen und weiterem Equipment machen sich die Einsatzkräfte auf den Weg ins Gebäude. Nach nur drei Metern ist die Sicht gleich null. Kriechend bewegen sie sich vorwärts. Ihr Auftrag: Leben retten.
Für Lisa und ihren erfahrenen Begleiter geht es ins Obergeschoss. Dichter Rauch, absolute Dunkelheit. Dazu die schwere Ausrüstung und das Atmen aus den Pressluftflaschen. Die Kommunikation unter den Masken ist kaum verständlich. Die körperliche und psychische Belastung ist enorm. Wie soll man unter diesen Bedingungen eine Person schnellstmöglich finden? Die Sinne schärfen sich. Der Kopf ruft all das Wissen ab, das in unzähligen Ausbildungen erlernt wurde. Man weiß genau, was zu tun ist. Gemeinsam mit dem Trupppartner wird Raum für Raum und Zentimeter für Zentimeter abgesucht. Dabei immer mögliche Gefahrenstellen im Blick.
Draußen vor dem Gebäude werden weiter Geräte aufgebaut und in Stellung gebracht. Atemschutz-Reservetrupps stehen bereit, um im Notfall eingreifen zu können. Die Drehleiter wird in Stellung gebracht und für Rettungs- und Löschmaßnahmen durchs Fenster vorbereitet. Kurz darauf gibt der Übungsleiter bekannt: Alle Personen gefunden und ins Freie gebracht. Übung beendet. Für Denny, Lisa und die zwei erfahrenen Kameraden ist der Einsatz aber weiterhin nicht vorbei. Gezeichnet von den Anstrengungen müssen sie jetzt die kontaminierte Einsatzkleidung richtig ablegen. Es geht um ihre Gesundheit. Kein Ruß und kein Schadstoff dürfen mit ihrer Haut in Kontakt kommen.
Mit dem Übungsende sinkt auch der Adrenalinspiegel aller Beteiligten. Die Übung war realistisch und bringt die Feuerwehrleute auf das Level, das auch im Realeinsatz herrscht. Denny und Lisa haben diesen Atemschutzeinsatz erfolgreich gemeistert. Sie sind um wertvolle Erfahrungen und hilfreiche Tipps reicher. Doch wie war es für die beiden im Gebäude?
„In der Übung unter Atemschutz war der dichte Rauch allgegenwärtig, die Sicht gleich null. Wir mussten uns Schritt für Schritt den Weg ertasten. Dabei spürt man plötzlich jede Faser seines Körpers. Alle Sinne sind geschärft, weil die Augen nicht mehr helfen. Die Personensuche wird dadurch besonders akribisch. Gemeinsam als Trupp arbeiten wir uns konzentriert vor, immer mit dem Ziel, die verunfallte Person zu finden. Solche Übungen zeigen, wie wichtig es ist, den eigenen Sinnen zu vertrauen und vor allem den Kameradinnen und Kameraden, auf die man sich in jeder Situation verlassen muss.“ So antwortet Lisa routiniert, objektiv und mit klarem Blick.

PM, Freiwillige Feuerwehr der Großen Kreisstadt Borna

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