Bornaer Stadtjournal

Ein Leben im Ring - Wir trauern um Lothar Scheida

Sein Name steht an der Sporthalle in Borna-Gnandorf. Diese Ehre wurde dem Ausnahmesportler 2017 zu Teil. Er konnte sich noch selbst daran erfreuen. Nun endete sein letzter Kampf am 23. Januar im Alter von 93 Jahren.
Sein Leben, seinen Enthusiasmus und sein Können widmete er dem Boxsport. Bereits in seiner Heimat, dem ehemaligen Königsberg, begann er zu Boxen. Nach der Flucht und den Wirren des Krieges fand er hier in der sächsischen Provinz sein neues zu Hause, was ihm durch die Gründung einer Familie und den Menschen, mit denen er im Boxsport arbeitete, auch eine Heimat wurde. Hier entwickelte er sich zu einem der besten Boxer, den die ehemalige DDR zu bieten hatte. Mehrfach wurde er DDR-Meister und Vize-DDR-Meister. Die Olympiaqualifikation verpasste er 1956 nur ganz knapp.
Die Bornaer Bürger schätzten Lothar Scheida, nicht nur wegen seiner sportlichen Erfolge, sondern auch dass er unzähligen jungen Menschen mit dem Boxen eine Richtung und ein Ziel gab. Viele der jungen Leute sahen in ihm auch einen Vater. Er kümmerte sich um seine Schützlinge. In ihren Herzen lebt der Mann, der jede freie Minute, auch manchmal zu Lasten seiner eigenen Familienzeit, für Boxernachwuchs opferte.
Dabei gab es auch noch einige andere Hobbys, denen sich Lothar Scheida widmete. „Seine Sammlerleidenschaft für Räuchermännchen und Nussknacker hatten es ebenso wie seine sportlichen Erfolge in die Presse geschafft“, erinnert sich schmunzelnd seine Schwiegertochter. Die Fotografie soll ebenso eine Passion von ihm gewesen sein, wie seine Liebe zum Gärtnern. Sein Gemüseanbau war legendär. „Im Sommer wechselte er die Örtlichkeiten zwischen Garten, Turnhalle und wieder zurück“, erzählen seine Kinder weiter auf die Frage, was die Boxlegende außerhalb des Boxrings machte. Eine lange Zeit pflegte er liebevoll seine Ehefrau, die nach einem schweren Schlaganfall nicht mehr laufen konnte. Diese warme Seite des Mannes kennen nur sehr wenige Menschen außerhalb der Familie, stand er doch im Fokus des Geschehens des Boxsportes. Diese Leidenschaft versuchte er auch bei seinen Söhnen und Enkelkindern zu entfachen. „Die männlichen Mitglieder der Familie Scheida haben sich alle einmal eine Zeit lang die Boxhandschuhe übergezogen“, geben seine Kinder im Gespräch noch preis.
Nun trauern zwei Familien um ihn. Seine drei Kinder mit ihren Familien und seine Boxfamilie. In letzterer lebt sein Vermächtnis in der Turnhalle, die seinen Namen trägt, weiter. Hans-Peter Hofmann, einst auch ein Schützling Scheidas, nahm sich der Rolle des Vorstandsvorsitzendens des SC Bornas an und handelt ganz nach seinem Vorbild, indem er nicht nur Trainer sondern auch Kümmerer ist. Im September zum 35. Geburtstag des SC Borna, werden die Boxer noch einmal das Glas auf Lothar Scheida erheben.

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