
Im Mittelpunkt steht ein junger Mann, der kurz vor Weihnachten von seinen Schwestern in der Justizvollzugsanstalt (JVA) besucht wird. Überschattet wird das Wiedersehen von der Nachricht vom Tod der Großmutter. Das Stück führt die Zuschauerinnen und Zuschauer in einen Moment voller Trauer, Streit und Sprachlosigkeit – aber auch in Erinnerungen, aus denen leise Hoffnung wachsen kann. Nicht laut, nicht kitschig, sondern so tragisch, aber auch unverhofft, wie sich das Leben manchmal zeigt.
Eindrucksvoll macht das Weihnachtsspiel deutlich: Hoffnung kann auch aus Richtungen kommen, aus denen man sie am wenigsten erwartet. Weihnachten findet eben nicht nur dort statt, wo Lichterketten hängen und alles harmonisch wirkt, sondern gerade auch an den Orten, die wir allzu gerne ausblenden. Damit knüpft das Stück bewusst an die biblischen Ursprünge des Weihnachtsfestes an: Auch dort beginnt alles in Armut, unter unsicheren Bedingungen und im Schatten von Verfolgung. „Friede auf Erden“ klingt da zunächst eher nach Wunsch als nach Wirklichkeit.
Ein zentrales Anliegen ist es daher, Weihnachten nicht als Fest zu zeigen, bei dem alle Probleme einfach zugedeckt werden. Zweifel, Wut und Traurigkeit dürfen ihren Platz haben – allerdings stets mit einem augenzwinkernden Blick und einer guten Portion Selbstironie. Gerade dieser Wechsel zwischen Ernst und Humor macht das Stück so nahbar.
Geschrieben und inszeniert wurde das Weihnachtsspiel von Theologiestudent David Kürschner gemeinsam mit Gemeindepädagogin Carola Peifer und den acht mitwirkenden Jugendlichen. Zur Vorbereitung besuchte Gefängnisseelsorger Michael Günz von der JVA Leipzig bereits im April 2025 die JG und gab Einblicke in seinen Berufsalltag. Im Sommer folgten dann zwei Besuche in der JVA. Aus diesen Begegnungen wuchsen dann die Ideen für das Stück, das ab Ende Oktober fast jedes Wochenende geprobt wurde.

Bleibt nur noch eine Frage: Wohin führt das nächste Weihnachtsspiel?
Carola Peifer, Fotos: bw