Markkleeberger Stadtjournal

Bewegender Auftakt mit „Tacheles“

Es war der Wunsch des hiesigen Vereins Kulturgeschichte, mit dem Start seines Veranstaltungsreigens ins neue Jahr gemeinsam mit der Stadtbibliothek Markkleeberg einen besonderen Impuls zu setzen. Texte bewegender Poesie jüdischer Dichterinnen und Dichter bildeten den Rahmen eines Abends, den die Schauspielerin Sibylle Kuhne gestaltete, ihr zur Seite als kongeniale musikalische Begleiterin die Klarinettistin Antje Taubert, die Verbindungen, teils Betonungen, teils für und zu den von Sibylle Kuhne rezitierten Werken im Klezmer-Klang übermittelte.

Die Dichtungen sowie deren dramaturgischer Aufbau und eine berührende Vortragsweise verliehen dem Abend des 19. Januar mehrfach thematische Höhepunkte. Eine Synthese von kluger Kalkulation einzelner Stichworte, die an- und ineinander gewoben und mit großer Interpretation dem zahlreichen Publikum dargeboten wurden. Ein erfolgreicher kultureller Start ins Jahr der jüdischen Kultur unter dem Titel „Tacheles“.
Sibylle Kuhne hatte sich fünf Autoren zugewendet, die Namen zweier von ihnen hört und liest man gelegentlich in den Medien, denen voran Else Lasker-Schüler sowie Rose Ausländer. Die anderen Dichter waren Mascha Kaléko, Aleksandr Abramowitsch Bejderman und Itzik Manger.

Überraschend wahrscheinlich für viele im Publikum war, was und vor allem wie Sibylle Kuhne an Sequenzen von Itzik Manger vortrug, der, wie sie sagte, in den 1930er-Jahren eine Berühmtheit war. Als Mensch dennoch vollkommen unprätentiös, als Lyriker überraschend. Manger war in der Welt zu Hause, geboren in Czernowitz. Seine zu Herzen gehenden Beschreibungen von Heimatland, auch Heimatlosigkeit, wurden innig und sensibel von Frau Kuhne vorgetragen.

Dass die kulturellen Impulse jüdischer Kultur und Geistigkeit auch in Markkleeberg wichtig waren und sind, darauf verwies Bernd Mühling in seinen Bemerkungen zu Beginn der Veranstaltung. Er merkte an, dass es christlich-jüdisches Miteinander dort gab, wo es gelebt und Impulsgeber wurde. Er verwies auf den Salon des Ehepaares Zehme in der Mehringstraße. Im jungen 20. Jahrhundert gab es unter deren Freunden mit jüdischem Hintergrund auch den Komponisten Arnold Schönberg, der ihre Förderung erfuhr. Oder im Hause von Generalmusikdirektor Gustav Brecher in Raschwitz, über dessen Abende – oft im Beisein von Barnet Licht – der einstige Gewandhaus-Kapellmeister Bruno Walter liebevoll berichtete.

Unvergessen, so Mühling, sind auch über Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg die stattgefundenen Nachmittage und Abende bei Erna Irene Uhlmann in Oetzsch. Ihre enge Freundschaft zu Intellektuellen mit jüdischem Hintergrund wie dem Literaturprofessor Hans Mayer oder dem Ehepaar Ernst und Karola Bloch blieb, nachdem ihre Freunde die DDR verlassen hatten. Der Briefverkehr zwischen Karola Bloch und Erna Uhlmann wird heute im Talheimer Verlag bearbeitet. Weitere Namen nannte Mühling an jenem Abend in der Stadtbibliothek.

red, Foto: Sibylle Kuhne

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